Glossar

Sondersteuerung

Sondersteuerung ist ein Fachbegriff mit klarer Bedeutung und typischen Missverständnissen. Beides steht hier, mit Verweis auf die Praxis.

Definition

Eine Sondersteuerung ist eine individuell angepasste Bedieneinheit für Elektrorollstühle, etwa als Kinn-, Kopf- oder Saug-Blas-Steuerung, für Nutzer, die einen Standard-Joystick nicht bedienen können. Sie wird von spezialisierten Reha-Technikern eingerichtet und ärztlich verordnet. Die Anschaffung wird meist gesondert begründet und läuft über dieselbe Antragsstrecke wie der Elektrorollstuhl selbst, oft mit zusätzlicher fachärztlicher Stellungnahme.

Kurz eingeordnet

Eine Sondersteuerung ist eine alternative Bedienvorrichtung für Elektrorollstühle, die zum Einsatz kommt, wenn die klassische Joystick-Steuerung aufgrund eingeschränkter Hand- oder Armfunktion nicht sicher bedienbar ist. Möglich sind unter anderem Kinnsteuerung, Kopfsteuerung, Saug-Blas-Systeme oder Steuerungen über minimale Restbewegungen einzelner Finger, die individuell auf die verbliebenen motorischen Fähigkeiten abgestimmt werden. Die Auswahl der passenden Sondersteuerung erfolgt meist in enger Zusammenarbeit zwischen Ergotherapie, Sanitätshaus und verordnender Ärztin oder Arzt.

Für die Kostenübernahme ist eine Sondersteuerung in der Regel aufwendiger zu begründen als eine Standardsteuerung, da sie individuell angepasst und oft aufwendiger gefertigt wird; eine ausführliche funktionelle Begründung im Rahmen der Verordnung ist deshalb besonders wichtig. Häufig ist eine Erprobungsphase mit mehreren Steuerungsvarianten sinnvoll, bevor eine endgültige Entscheidung getroffen und final bei der Krankenkasse beantragt wird. Auch eine Kombination mehrerer Ansteuerungswege ist möglich, etwa als Rückfallebene, falls die vorrangig genutzte Steuerung durch Ermüdung im Tagesverlauf unzuverlässiger wird.

So begegnet es dir

Die Erprobung einer Sondersteuerung nimmt in der Praxis oft mehr Zeit in Anspruch als bei einer Standardsteuerung, da verschiedene Systeme unter Alltagsbedingungen getestet werden sollten. Es lohnt sich, Ermüdung über längere Fahrten sowie das Verhalten bei unerwarteten Bewegungen, etwa Husten oder Muskelspasmen, gezielt einzubeziehen. Angehörige und Pflegepersonen sollten in die Bedienung der jeweiligen Sondersteuerung eingewiesen werden, damit sie im Bedarfsfall unterstützen oder die Notabschaltung sicher bedienen können. Regelmäßige Kontrolltermine beim Sanitätshaus helfen zudem, technische Veränderungen frühzeitig zu erkennen, bevor sie zum Sicherheitsrisiko werden.

Weiterlesen im Themenfeld Technik, Akku & Straßenverkehr.

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Häufige Fragen

Welche Arten von Sondersteuerungen gibt es?

Gängig sind unter anderem Kinn-, Kopf- und Saug-Blas-Steuerungen sowie Steuerungen über minimale Fingerbewegungen, die individuell an die vorhandenen motorischen Fähigkeiten angepasst und regelmäßig nachjustiert werden.

Wer entscheidet, welche Sondersteuerung geeignet ist?

Die Entscheidung erfolgt meist im Zusammenspiel von Ergotherapie, Sanitätshaus und verordnender Ärztin oder Arzt anhand einer praktischen Erprobung mehrerer Systeme.

Ist eine Sondersteuerung teurer als eine Standardsteuerung?

In der Regel ja, da sie individuell angepasst wird; bei nachgewiesener medizinischer Notwendigkeit übernimmt die Krankenkasse die Kosten im Rahmen der Hilfsmittelversorgung dennoch vollständig, sodass für Versicherte meist nur die gesetzliche Zuzahlung bleibt.

Quelle: GKV-Spitzenverband, Fortschreibung Produktgruppe 18 · Stand: Oktober 2026